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Das Sorgerecht, wie wir es heute in Deutschland kennen, stellt die Ausübung von Rechten im Sinne der Kinder dar. Dies meint neben der Sorge um das Vermögen der Kinder die Sorge um das Kind selbst, wie beispielsweise die Versorgung mit Lebensmitteln und Kleidung, aber auch die medizinische Versorgung, die Entscheidung zum Bildungsweg oder dem Umgang mit anderen Menschen. Sorgeberechtigte regeln auch die Ansprüche Dritter, wenn sie das Kind betreffen, sei es bei einem Unfall im Straßenverkehr, einer eingeschossenen Scheibe beim Fußballspielen oder wenn jemand Aufnahmen von den Kindern machen möchte. Das klingt alles sehr formal und umständlich. In der Regel ergibt es sich bei gemeinsamer Sorge aus der alltäglichen Notwendigkeit heraus. Was das Sorgerecht regelt wird meistens erst dann interessant, wenn es nicht mehr ganz selbstverständlich gemeinsam von Mutter und Vater ausgeübt wird, sondern ein Elternteil es alleine ausübt oder alleine ausüben will, wie es oft bei einer Trennung ansteht.

Früher gab es die Idee oder auch den gesellschaftlichen Wert, dass Kinder innerhalb einer Ehe in der Familie aufwachsen. Seit vielen Jahren hat sich dies jedoch verändert und heute sind Ehe, Kinder und Familie völlig getrennte Wirklichkeiten. Aktuell zeichnet sich dabei ein weiteres Phänomen deutlich ab, die Anzahl der außerehelichen Kinder nimmt stetig zu. Während sie in den alten Bundesländern bei 27% liegen, sind es in den neuen Bundesländern bereits 61%, Tendenz steigend (2010, destatis). Wir werden also in Zukunft eine weitere Veränderung des Sorgerechtes erwarten können, wenn die Ehe nicht mehr ausschlaggebender Faktor für die Erteilung des Sorgerechtes ist, da sie nicht mehr die Mehrheit der geborenen Kinder betrifft.


Wenn wir hier das Sorgerecht vorstellen, möchten wir nicht auf die vielen Sonder- und Detailregelungen eingehen, sondern vielmehr eine Idee und grobe Übersicht zum Begriff des Sorgerechtes geben. Das Umgangsrecht haben wir, da es eine wichtige Ressource für Väter und Großeltern/Verwandte/Umsorgende ist und unabhängig vom Sorgerecht den Kontakt zu den Kindern regelt, in einem extra Artikel beschrieben.

Die wichtigsten Grundlagen zum Sorgerecht sind:
Mütter sind mit der Geburt des Kindes immer sorgeberechtigt, es sei denn der Gesetzgeber bzw. das Familiengericht trifft eine andere Entscheidung. Väter sind hingegen nur sorgeberechtigt, wenn sie entweder mit der Kindesmutter verheiratet sind oder mit ihr ein gemeinsames Sorgerecht vereinbart haben (Sorgeerklärung). Dies kann gemeinsam bei einem Notar erfolgen oder gegenüber dem Jugendamt bekundet werden. Mit der Anerkennung der Vaterschaft hat der Vater jedoch noch kein Sorgerecht erworben.
Väter können beim Familiengericht einen Antrag auf das alleinige oder gemeinsame Sorgerecht stellen. Auch hier muss prinzipiell die Mutter zustimmen.
Sprechen triftige Gründe gegen das alleinige Sorgerecht der Mutter, kann es dem Vater oder einem gesetzlichen Vormund durch das Familiengericht übertragen werden. Es gibt dabei kein Automatismus, der es dem Vater zuschreibt.
Was das Sorgerecht in der Umsetzung bedeutet, ist im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Eine gute Übersicht findet sich dazu bei Wikipedia.

Wichtige Institutionen beim Thema Sorgerecht und Sorgerechtsstreitigkeiten sind das Jugendamt und das Familiengericht.
Es ist auch wichtig zu beachten, dass Entscheidungen des Familiengerichtes keine Entscheidungen für die Ewigkeit sind, d.h. bei veränderte Rahmenbedingungen kann das Familiengericht auch eine neue Entscheidung treffen.
Das Familiengericht wird zudem darauf drängen eine außergerichtliche Entscheidung oder mit dem Jugendamt eine Entscheidung innerhalb eines Beratungsprozesses zu finden, welche dann vom Familiengericht festgehalten wird. Jugendamt und Familiengericht haben also eine wichtige Funktion, wenn das Sorgerecht nicht im gegenseitigen Einverständnis ausgeführt wird.
Einen weiteren wichtigen Aspekt möchten wir aus Sicht des Kindes anführen: Das Sorgerecht und die Versorgung des Kindes sind eine sehr lange Angelegenheit. Das Sorgerecht bleibt bis zur Volljährigkeit erhalten und die Versorgung auch noch darüber hinaus, wenn eine Ausbildung oder ein Studium dies erfordern. Eltern bleibt man darüber hinaus sein Leben lang!